Swoopo: Betrug und Abzocke in vier Akten?

Zuallererst möchte ich anmerken, dass der Grund für diesen Artikel, wie kann es auch anders sein, eine persönliche Erfahrung ist. Ich habe die folgenden Akte eigentlich auch so durchlebt wie es geschildert wird 🙂

Erster Akt: Der Kundenfang

Geworben wird mit niedrigen Preisen: Einmal Windows 7 für 6,60€ oder ein Apple Mac Mini für 15,25€, alles neu und Originalverpackt natürlich (wie das ganze funktioniert erkläre ich später). Da ist natürlich jeder platt und fangt an, sich für das System zu interessieren, den Anmeldebutton zu Suchen und so schnell wie möglich zu bieten. Aber nun, nachdem man den Kunden geworben hat, muss man ihm auch das System verraten, wie geboten wird.

Zweiter Akt: Das Recht, bieten zu dürfen, kaufen

Frisch fröhlich wollte ich nach der Anmeldung bieten, aber ich wurde sofort eingebremst, denn um bieten zu dürfen muss man sich sogenannte “Bids” kaufen. Es werden folgende Pakte angeboten:

  • Bidpack S: 20 Gebote zu 10,- €
  • Bidpack M: 50 Gebote zu 25,- €
  • Bidpack L: 100 Gebote zu 50,- €
  • Bidpack XL: 200 Gebote zu 100,- €
  • Bidpack XXL: 500 Gebote zu 250,- €

Wobei es verwunderlich ist, warum man bei größeren Pakten denn keinen Rabatt bekommt, aber egal. Ich kauft mir einen kleinen Bidpack, denn ich war der festen Überzeugung (es wurde ja auch so suggeriert), dass das genügt um ein paar Produkte zu ersteigern. Aber ja, auf jeden Fall wollte ich nun kaufen was das Zeug hält

Dritter Akt: Bieten, bieten, bieten…

Nun machte ich mich auf zu meiner Mission, mir ein BlackBerry zu ersteigern. Fröhlich fing ich an zu bieten. Das funktioniert so: Der Preis fängt meistens bei einem Cent an. Jedes mal wenn jemand bietet, erhöht sich der Preis um einen Cent. Wie ihr aber mitbekommen habt, muss man pro einmal bieten 50 Cent zahlen, so wird verhindert, dass das ganze ewig lang so weitergeht…Der Countdown wird immer zurückgesetzt, was sich als total nervig herausstellt.

Auf jeden Fall kann jeder bieten, und wenn jeder bietet kann sich das ganze ewig in die Länge ziehen. Schlimm ist der Fall, wenn sich zwei einen Biet-Kampf  liefern und am Schluss kommt ein Dritter, setzt zum ersten Mal und gewinnt. Wo wir beim vierten Akt wären

Vierter Akt: Glücksspiel

Ich persönlich habe viel Geld verloren durch dieses Glücksspiel. Ich war von Anfang an dabei und setzte viel Geld darauf, anschließend mit wenig Geld mein BlackBerry zu bekommen, aber am Schluss kam hald ein dritter und bot 10 mal und bekam den Zuschlag. Als ich dann lesen musste, dass das Angebot beendet war, realisierte ich, dass das ganze ein Glücksspiel ist. Man setzt viel Geld darauf, zu gewinnen, kann aber am Ende nur mit Verlusten dastehen.

Durch diese Auktionen wird man dazu angeleitet, noch mehr Bits zu kaufen, noch schneller bieten, noch mehr Konkurrenz  anzulocken und so weiter. Das ist ähnlich wie Lottospielen: Man setzt viele kleine Beträge, man hat eine kleine Chance zu gewinnen und man weiß nicht ob jemand bescheißt. Und man wird gezwungen, ewig vor dem PC zu hocken.

Aber nun zur häufig gestellten Frage: Wie gewinnt Swoopo dann Geld? Ganz einfach. Nehmen wir als Beispiel das Apple MacBook Pro 13,3″, welches zu einem Preis von 94,33€ versteigert wurde. Das heißt, es wurde 9.433 mal geboten. Neuntausendvierhundertdreiunddreißig mal hat man 50 Cent gezahlt. Swoopo bekommt also zusätzlich zu den 94,33€ noch 4716,5€, was in Summe 4 810,83 Euro macht. Abzüglich des Vergleichpreises (der sowieso immer viel zu hoch ist) hat Swoopo einen Reingewinn von 3 631,88 Euro. Nicht schlecht, was? Gezahlt hat das brav der einzelne Bieter…

Traurig aber wahr: Ich habe meinen Traum von einem BlackBerry aufgegeben und realisiert, dass Angebote wie Swoopo meiner Meinung nach nur Betrügerei und Glücksspiel ist. Und man nicht darauf hineinfallen sollte, so wie ich 🙂

Der Begriff Auktion sollte hier nicht verwendet werden dürfen – denn mit ebay oder so hat das ganze gar nichts zu tun

Ich habe übrigens auch CrazyHammer.at probiert – und der Server war in der Endphase nicht erreichbar – blöd gelaufen…

Also: Nehmt euch meine Erfahrung zu Herzen 🙂

14 comments

  1. tobe says:

    dass die ganze sache als glücksspiel zu sehen ist, kann man mittlerweile auch in großen deutschen nachrichtenmagazinen lesen. der betrugsvorwurf ist da schon was anderes.
    ich drück die daumen, dass das nicht das schnelle aus für diesen artikel bedeutet. denn erfahrungsberichte über dieses in meinen augen verachtenswerte geschäftsmodell kann es nie genug geben.
    aber selbst wenn der name irgendwann schmutzig ist, dann bennent man sich und seine firma einfach um und macht unter neuem namen weiter… telebid -> swoopo… was wohl als nächstes kommen mag?

  2. Michael says:

    Es ist wirklich verwunderlich, dass Swoopo die Bezeichnung Auktion führen darf, ohne dass der Staatsanwalt anklopft. Die Leute werden wirklich unglaublich in die Irre geführt, mir ging es am Anfang zu 100% genauso, wie Dir.
    Wiso macht da eigentlich keiner etwas gegen in unserem überregulierten Deutschland, in dem sogar Lotto im Internet verboten ist. Swoopo gehört verboten, nicht Lotto! Echt eine verkehrte Welt….

  3. Pesos says:

    Tja das sind wirklich blöde Schicksale… dennoch habe ich für meinen Teil auch schon Schnäppchen geschlagen… man sollte sich zuallerst auf geschickte weise Gebotspakete ersteigern… so hab ichs gemacht… es gehört natürlich Geduld dazu aber es funktioniert… dann sollte man sich eine verkraftbare Grenze setzen was das Bieten von Geboten betrifft. Ist man am Ende der Auktion nicht höchstbietender, so gibt es ja noch die Direktkaufoption, d.h. man kann den Artikel trotzdem erwerben und die von einem selbst gesetzten Gebote werden dann auf den Endpreis angerechnet… man schiesst also nicht hoffnungslos über Ziel hinaus wenn man sich die AGB’s und die Funktiosweise ordentlich durchgelesen hat…juristisch gesehen ist es übrigens kein Glücksspiel, da 50cent als Gebot reinrechtlich nicht als erheblich zur Klassifizierung eines Glücksspiels gelten…
    vielleicht mal von der Seite betrachten 😉

  4. Lars says:

    ich denke mal das soll der Nervenkitzel an dieser Art von Auktion sein… Man sollte sich schon echt genau überlegen wie man vorgeht…aber es kann sich lohnen… habe auch mal sehr günstig was ersteigert und bin dabei trotz Einsatz der Bids unter dem Ladenpreis geblieben… also nur Geduld, ein tragfähiges Limit und dann läuft das schon…Das mit dem Direktkauf ist übrigens ne ganz gute Sache finde ich. Dennn läufts mal nicht, kann ich mir den Artikel ja trotzdem kaufen.

  5. Peter says:

    LoL kann ich da nur sagen, hier über swoopo und Konsorten Meckern aber unten auf der Seite ein Fettes GoogleAds Banner mit SWOOPO!!!!!!!!! Werbung drin laufen haben 🙂 Herrlich.
    Wer da teilnimmt ist selber schuld, es ist halt Glücksspiel um Waren statt um Bar Gewinn.
    Viel Spass,
    Peter

  6. admin says:

    Ich weiß, ich habe ja auch nicht behauptet dass ich nicht selbst schuld bin 🙂 Und für den Google-Ads-Banner kann ich ja wirklich nichts, wer ihn nach dem Artikel noch anklickt ist selbst Schuld 🙂

  7. Raak says:

    zu Lars: Die Option mit dem Direktkaufen ist zwar fein, jedoch wird dort die UVP des Herstellers angegeben, man bekommt die Ware also im Internet immer um einiges günstiger also bei Swoopo.

    Zum anderen möchte ich sagen das das dicker Betrug ist. Ich möchte es einmal genauer erläutern.
    Swoopo gibts nicht nur in Detuschland. Es gibt Swoopo in einigen anderen Ländern auch. Warum schreibe ich das extra dazu? Nunja, das hat einen ganz triftigen Grund.

    http://www.swoopo.de/auktion/183173.html (Deutschland)
    http://www.swoopo.co.uk/auktion/183173.html (Großbritanien)
    http://www.swoopo.com/auktion/183173.html (USA)

    Schaut euch nun einmal die Gebote an. Es sind die gleichen Bieter. Die Auktions-ID ist natürlich identisch. Ihr könnt dieses Beispiel auch einmal mit anderen Autkionen durchführen.

    Ergo resultiert daraus das Swoopo eine Auktion in allen Ländern gleichzeitig anbietet.
    Man bietet sozusagen gegen die ganze Welt und brauch sich nicht wundern wenn Nachts doch mehr Bieter anwesend sind als man dachte.
    Der genaue Gegenstand varriert von Land zu Land, je nachdem was grade in diesem Land angesagt ist.
    In den USA bieten Leute auf die rote XBOX und in Europa wird auf die scharze geboten.

  8. Tamara says:

    Ich finde dieses Gejammer echt immer abenteuerlich. Kaum dass manche Leute mal ein paar bids erfolglos verzockt haben, schon wird „BETRUG“ geschrien! Kindergarten! Wem Swoopo nicht passt, der soll im Ladengeschäft einkaufen gehen und da gleich RICHTIG die Tasche aufmachen! Ausserdem gibt´s dann auch noch futuretrend.de. Da gibt´s die eingesetzten Gebote wieder zurück.

  9. admin says:

    Dein Kommentar ist nicht weniger schlimm, denn (wie du richtig erkannt hast) der Grund für diesen Artikel war das erfolglose verzocken von Bids, kritisiert wird hier aber das System, was den durchschnittlichen Menschen sicher abzockt.

  10. Thomas says:

    Ich bewundere die geniale Geschäftsidee dahinter, das mal vorweg. Und als Abzocke würde ich es nicht bezeichen – es ist ein einfaches System, die Regeln gut und leicht verständlich erklärt. In meinen Augen kann man dem Anbieter höchstens das Spiel und Kalkulation mit psychologischen Effekten vorwerfen, Abzocke jedoch nicht. Wer suchtgefährdet ist, ist auf der Seite nicht gut aufgehoben – wer bereit ist, für die Chance auf ein gutes bis sehr gutes Schnäppchen durch den Direktkauf auch die UVP des Herstellers zu bezahlen, für den sehe ich auf der Seite nur gutes. Wer dort Artikel „ergattern“ will, die er sich unter normalen Umständen gar nicht kaufen würde, zahlt halt die Zeche.

  11. Steini says:

    Das ist der selber Betreiber wie bei Flirtcafe. Ich weiß es zu 100%

    Der Typ fühlt sich noch als Opfer, der ist abgezockt ohne Ende. Ich kenne jemanden der dort arbeitet, und nur noch dort weg möchte!

    Staatsanwaltschaft Köln weiß schon bescheid.

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