Tablets im Schulunterricht: Spielzeug oder Lernhilfe?

Tablets_SchuelerViele Kinder und Jugendliche nutzen in ihrer Freizeit ausgiebig Smartphones oder Tablets. Die sogenannten Digital Natives können sich ein Leben ohne diese Geräte kaum noch vorstellen. Doch die meisten Schulen sperren sich gegen eine Einbindung solcher Mobilgeräte in den Unterricht. Der Grund dafür ist häufig die Befürchtung, die Kinder würden im Unterricht mit ihrem Tablet nur herumspielen, statt dem Lehrer zu folgen. Welche Vorteile die Nutzung von Tablets in der Schule bieten könnte, wird dabei jedoch oft ausgeblendet.

Gelungene Projekte

In Rottweil läuft seit Februar 2016 das Projekt „Tablet-Schule“, bei dem Schüler einer Grund- und Werkrealschule das Mobilgerät zur Bewältigung des Lernstoffs einsetzen. Insgesamt wurden bei dem von der Kreissparkasse unterstützen Projekt 15 Tablets zur Verfügung gestellt, die die Schüler der 5. bis 9. Jahrgangsstufe verwenden dürfen. Das Medienbildungsinstitut Promedia Wolf hat Unterrichtsmaterialen speziell für die Nutzung des Tablets entwickelt. Viele Aufgaben beziehen sich dabei auf Artikel der ePaper-Ausgaben des Schwarzwälder Boten, die den Schülern ebenfalls zur Verfügung gestellt wurden. Auf diese Weise verknüpft man Aspekte der politischen Bildung mit einer modernen Medienerziehung. „Tablet Schule“ ist somit eines der wenigen Beispielprojekte, die verdeutlichen, wie Tablets sinnvoll in den Unterricht integriert werden können.

Durch die eigenständige Verwendung von Tablets zum Wissenserwerb lernen Schüler besser, sich selbst zu organisieren, statt durch den üblichen Frontalunterricht. Ein weiteres Projekt führte übrigens auch die Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda gemeinsam mit der Lausitzer Rundschau und einem Unternehmen namens EnviaM durch. Auch von diesem Projekt waren die Schüler durchweg begeistert und blieben – entgegen der Prognosen vieler Erziehungspersonen – durchaus konzentriert bei der Sache.

Lernen mit modernen Medien ist effizienter

Selbst die Forschung hält den Einsatz von digitalen Medien und Mobilcomputern im Unterricht für sinnvoll. So stellte der amerikanische Bildungswissenschaftler John Hattie in einer Studie fest, dass sich der Einsatz von Computern positiv auf den Lernerfolg auswirkt. Er plädiert dafür, die neuen Medien nicht als Ablenkung abzustempeln, sondern sie ergänzend zum herkömmlichen Unterricht zu nutzen. Ausschlaggebend ist, wie genau das Tablet genutzt wird. Zu einem ähnlichen Schluss kommt der Medienpädagoge Hagen Heinrich. Er ließ zwischen 2009 und 2012 Schüler seiner Klasse mit Notebooks arbeiten. Das Fazit: Die Schüler zeigten eine enorme Motivation und hätten großen Spaß am Lernen gehabt.

Oft scheitert es am Geld

Doch es gibt auch die andere Seite des Ganzen. Viele Lehrkräfte sind – ähnlich wie manche Eltern – mit den mobilen Geräten und Diensten einfach nicht vertraut. Deswegen müssten sie sich das erforderliche Wissen erst aneignen. Doch das kostet Zeit und Geld. Die Kosten sind auch für die Schulen ein wesentlicher Punkt, denn die meisten verfügen schlicht nicht über ausreichend finanzielle Mittel, um Tablets für ganze Unterrichtsklassen zu besorgen. Und das, obwohl es nicht immer zwangsläufig ein teures Gerät sein muss wie die Angebotspalette an relativ günstigen Tablets zeigt.

Was die pädagogische Hinführung an neue Technologien betrifft, muss man daher feststellen, dass Deutschland im Vergleich zu einigen asiatischen Ländern weit hinterherhinkt. Inwieweit die beschriebenen Projekte zu einem Umdenken führen, wird die Zukunft zeigen.

Schreibe einen Kommentar