Europas IT-Branche rüstet auf

Datenschutz "made in Germany" soll zum Label werden. Nicht nur Politiker, auch die deutsche IT-Branche wünscht sich eine Vorreiterrolle Deutschlands in den Bereichen Datensicherheit und Verschlüsselung. Ziel ist die technische Unabhängigkeit Europas von den USA und China.

Wie dieses zu erreichen ist, erklärt Klaus Kinkel (Bundesminister des Äußeren a.D. und Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung) in einem Bericht des Vorstandbereichs Datenschutz der Deutschen Telekom AG. Um Europa auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu machen, ist Kinkel zufolge nicht nur der Aufbau einer europäischen Hochsicherheits-IT notwendignotwending. Gleichermaßen müssten Verhandlungen mit den USA stattfinden, die in wechselseitige Verpflichtungen beider Parteien in Bezug auf politische und wirtschaftliche Spionage sowie das massenhafte Speichern persönlicher Bürger-Daten münden.

Auch Dieter Kempf (Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom) fordert in einem Interview mit RP Online: "Datensicherheit muss Bestandteil des Freihandelsabkommens sein". Die Einigung mit den USA müsse laut Kempf an Bedingungen geknüpft sein: "Zu einem bilateralen Abkommen gehört auch ein gemeinsames Verständnis von Datenschutz und Datensicherheit. Dann würde ein Freihandelsabkommen Vorteile auf beiden Seiten bringen."

Allein auf das Wohlwollen der USA möchte sich die europäische IT-Branche jedoch nicht verlassen. Nach den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden sagen über 60 Prozent der Deutschen, ihre Bedenken gegenüber US-amerikanischer IT-Struktur seien gewachsen. Dass der Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz mittlerweile zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden ist, zeigt zum Beispiel der Start der neuen Suchmaschine Qwant, die ganz ohne Datenspeicherung auskommen will. Aber auch die deutschen Hosting-Provider erkennen ihren Standortvorteil und statten ihre Produkte mit zusätzlichen Sicherheitspaketen aus.

Neue Suchmaschine verspricht sicheres Surfen

Bei Qwant wird Datenschutz groß geschrieben. Damit richtet sich die französische Suchmaschine direkt gegen den Quasi-Monopolisten Google. Um den Nutzern größtmögliche Sicherheit und Privatsphäre zu garantieren, verzichtet Qwant komplett auf permanente Cookies und das Speichern der IP-Adressen. Die Suchmaschine bietet somit eine komplett neutrale Ergebnisliste: Egal wer einen Begriff in die Suchmaske eingibt, Qwant spuckt für jeden die gleichen Suchergebnisse aus. Wer auf eine personenbezogene Ergebnisliste nicht verzichten möchte, dem steht zudem die Möglichkeit offen, ein Kundenkonto einzurichten. Sämtliche Daten werden dabei ausschließlich in der EU gespeichert. Auch optisch hebt sich Qwant vom Branchen-Riesen Google ab. Statt einer einzigen Ergebnisliste bekommen die Nutzer bei der französischen Suchmaschine gleich vier Spalten ausgegeben – jeweils eine zu den Kategorien Netz, News, Sozial und Shopping. Weitere Feature sind die bisher nur von der Bildersuche bekannte Kachel-Ansicht sowie endlose Trefferlisten, die sich klick-frei bedienen lassen. Während der Suche können Ereignisse mit einer Markierung versehen werden, die ein späteres Abrufen ermöglichen. Zudem kann jede Ergebnisliste mit weiteren Suchbegriffen verfeinert werden.

Die Marktlücke der datenschutzgerechten Internetsuche haben aber auch schon andere Unternehmen entdeckt. Weitere Suchmaschinen, die ein weitestgehend anonymes Surfen versprechen, sind die amerikanische Suchmaschine Duckduckgo, die deutsche Metasuchmaschine MetaGer sowie die Suchmaschinen Ixquick und Startpage, die von der niederländischen Surfboard Holding betrieben werden.

Zertifizierte Rechenzentren schaffen Vertrauen

Datensicherheit wünschen sich Internetnutzer nicht nur in Bezug auf die Informationen, mit denen sie Suchmaschinen wie Google füttern. Auch im Bereich des Web-Hostings hat ein Umdenken stattgefunden. Wer Daten im Netz speichert, eine Internetseite oder einen Onlineshop betreibt und womöglich sensible Kundendaten verwaltet, möchte die Sicherheit der eingelagerten Daten garantiert bekommen. Dies hat der deutsche Hosting-Provider Strato begriffen und seine Rechenzentren den Anforderungen entsprechend ausgestattet. Die beiden Serverfarmen der Telekom-Tochterfirma in Berlin und Karlsruhe zählen zu den sichersten weltweit, unterliegen einer jährlichen Überprüfung durch den TÜV und sind gemäß der deutschen Sicherheitsnorm ISO 27001 zertifiziert. Das große Sortiment an Serverpaketen richtet sich gleichermaßen an Privat- und Businesskunden und variiert in Bezug auf Performance, Rechenleitung und Speicherkapazität. Die TÜV-zertifizierten Sicherheitsstandards gelten jedoch durchweg für alle Produkte.

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